2. Von der Zahnarztpraxis zum Dienstleistungsunternehmen

Die Zahnmedizin ist praktisch so alt wie die Zahnschmerzen. Ihre (dokumentierten) Wurzeln gehen zurück bis ins dritte Jahrtausend v. Chr. Seitdem sind große
Fortschritte zu verzeichnen. Wo in Frühzeiten noch mit ‚Hausmitteln‘ und ‚Ritualen‘ geheilt wurde, wird die Zahnmedizin im 18. Jahrhundert zur wissenschaftlichen
Disziplin (vgl. Strübig 1989, 11-13, 41-50 75-78). Zu Beginn des 20. Jh. wurde die Zahnmedizin in die medizinischen Fakultäten eingegliedert und ab 1919 wurde der Beruf des Zahnarztes durch die Möglichkeit der Erhaltung des akademischen Grades immer beliebter. Jährlich stiegen die Zahlen der approbierten Zahnärzte. So gab es im Jahr 1920 bereits 4.459 Zahnärzte. Ein knappes Jahrhundert später, im Jahr 2011, waren 14.077 Studenten an 30 Universitäten in Deutschland für das zahnmedizinische Studium eingeschrieben (vgl. Statistisches Jahrbuch der Bundeszahnärztekammer 2011/2012, S. 42).

Der Gesundheitsmarkt in Deutschland

Im Gesundheitsmarkt sind, anders als in der Wirtschaft, nicht Angebot und Nachfrage die bestimmenden Faktoren, sondern er wird durch politische Planung reguliert. Der Gesundheitsmarkt hat viele Normen, die das Zulässige von Verbotenem trennen (vgl. ArztData.de [online], siehe Kap. 3.1.1 zu rechtlichen Begrenzungen im Marketing und in der Werbung). Die Ausübung des Zahnarztberufes sowie seine Tätigkeit werden durch viele Verordnungen und Gesetze geregelt. Das Vertragszahnarztrecht oder Kassenzahnarztrecht gehören hier zu den wichtigsten Rechtsregelungen. Hier werden die Versicherungspflicht, die Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen sowie die Organisation und Finanzierung der Krankenkassen geregelt (vgl. Göbl 2003, 157). Die Ausbildung sowie die Zulassung zum Zahnarzt sind in der Approbationsordnung (AOZ) festgelegt (vgl. ebd., 159). Für die Vergütung zahnmedizinischer Behandlungen gibt es zwei Gebührenverzeichnisse: die Gebührenordnung für Zahnärzte (GOZ) und den Einheitlichen Bewertungsmaßstab für zahnärztliche Leistungen (BEMA). BEMA ist Bestandteil der Bundesmantelverträge (vgl. KZBV 2011 [online]).

Die Zahnärzte als Freiberufe unterliegen der Aufsicht beruflicher Selbstverwaltungen. Die Spitzenorganisation aller ärztlichen Selbstverwaltung ist die Bundesärztekammer (BÄK, Arbeitsgemeinschaft der Deutschen Ärztekammern). Hier werden die berufspolitischen Interessen der Ärzte vertreten und die Arbeit der Landesärztekammern unterstützt. Die Bundeszahnärztekammer (BZÄK) gilt als Berufsvertretung aller deutschen Zahnärzte. Die Kassenzahnärztliche Vereinigung (KZV) hat die Aufgaben der Sicherung der vertragszahnärztlichen Versorgung und steht unter der Aufsicht des Bundesgesundheitsministeriums (BGM) und vieler Gesetze, beispielweise das Sozialgesetzbuch (vgl. Göbl 2003, 157). Der Bewertungsmaßstab für zahnärztliche Leistungen (BEMA), der zahnmedizinische Leistungskatalog der Gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) und die Gebührenordnung für Zahnärzte (GOZ) bilden die Basis für die Abrechnung und Bewertung aller zahnärztlichen Leistungen (vgl. ebd., 160). Die zahnärztliche Vergütung wird in §3 der amtlichen Gebührenordnung für Zahnärzte (GOZ) geregelt (vgl. GOZ 2012 [online]).