6. Interpretation und Diskussion der Ergebnisse
Nachfolgend werden daher die Ergebnisse der qualitativen Inhaltsanalyse präsentiert. Die Darstellung erfolgt unter der Zuhilfenahme verschiedener Themenbereiche, die sich während der Auswertung der Ergebnisse ergaben. Einleitend wird ein Überblick über die befragten Personen und ihre Praxis gegeben.

Allgemeine Angaben zur Person und zur Praxis
Die Interviews wurden mit Fragen zu allgemeinen Angaben über die befragte Person und ihre Praxis eingeleitet. Dies diente auch zur Auflockerung der Situation (Icebreaker-Fragen). Die Befragten gehören unterschiedlichen Alterskategorien an, sie waren zwischen 36 und 50 Jahre alt. Sowohl männliche wie weibliche Personenwurden befragt und ihre Berufserfahrungen reichten von 5 bis 20 Jahren.

Alter

Hinsichtlich des Alters ließ sich feststellen, dass es keinen Einfluss auf die Antworten hatte. So ist z. B. die Ärztin mit 36 Jahren den Möglichkeiten neuer Medien für ihre Praxis gegenüber ebenso skeptisch eingestellt, wie der älteste der Befragten, obwohl die Vermutung nahe lag, dass Ärzte der jüngeren Generation sich mehr für das Thema interessieren würden. Die jüngere Ärztin zeigte sogar noch eine stärkere Abneigung als der Arzt über 50. Ihre Aussage ist: „…und die sozialen Netzwerke, ich glaube da werden wir erst mal nicht weiter beigehen“ (Anhang 5, Interview 2, Alter 36, Z. 66-67). Demgegenüber hat die ältere befragte Person die sozialen Netzwerke immerhin als Marketinginstrument im Kopf, wenn sie sagt: „die sozialen Netzwerke ist klar ist was marketingmäßig“ (Anhang 5, Interview 4, Z. 64).
Weder das Alter noch das Geschlecht der Praxisinhaber scheint allerdings einen großen Einfluss auf die Einstellung oder auch die Wahl neuer Kommunikationswege zu haben.

Größe der Praxis

Die Größe, bzw. die Wirtschaftslage der Praxis ist bei allen befragten Ärzten unterschiedlich (siehe Präskript, Anhang 4). Die Ergebnisse zeigen, dass allerdings auch die Praxiswirtschaftslage keinen Einfluss auf die Bedeutung sozialer Netzwerke für die Patientengewinnung hat. Die größere Praxis (Gemeinschaftspraxis an drei Standorten, Interview 5) ist zwar im Gegensatz zu den anderen im sozialen Netz, genauer bei Facebook, bereits vertreten. Hier wird aber das Ziel des Imageaufbaus Patienten gesehen: „Facebook dient nicht wirklich der Patientengewinnung…wir
nutzen sie…um…den Stand der Zeit zu präsentieren….“ Diese Praxis will „…sich als moderne Praxis präsentieren…“ (Interview 5, Z. 25, 27-28, 41).

Standort

In eher kleinen Städten (Einwohnerzahl im Durchschnitt von 30.000) sind Mundpropaganda und Weiterempfehlungen für die Patientengewinnung eher von Bedeutung. Auch in den Städten wo keine große Industrie, Universitäten, Akademienoder andere Ausbildungsinstitute vertreten sind, scheinen die sozialen Netzwerke bislang keine Bedeutung zu haben. Das lässt sich aus dem Grund vermuten, da es in solche Städte wenig Zuzüge gibt. Die Menschen wachsen in dem Ort auf und viele kennen sich untereinander. Meistens gehen die Kinder auch später zu dem Arzt, bei dem sie auch mit den eigenen Eltern schon waren: „…die kennen es von Mama/Papa die gehen seit Kindheit mit“ (vgl. Interview 1, Z. 81-82). Bei den Städten mit großenZuzügen, wie bspw. Der Universitätsstadt Göttingen, könnte es jedoch sinnvoll sein, in sozialen Netzwerken vertreten zu sein. Jährlich kommen Studenten für ein paar Jahre in die Stadt und kennen meistens kaum jemanden. Wenn man also einen Arzt sucht, wird das Internet zu Hilfe genommen. Da ein großer Teil junger Menschen ohnehin viel Zeit in sozialen Netzwerken, wie Facebook, verbringt, könnte die Suche nach einem geeigneten Arzt für sie noch erleichtert werden, wenn auch der Arzt ein Profil bei Facebook hätte. Dort ließe sich schnell ein Überblick über die Praxis und das Personal erhalten und außerdem könnte man Empfehlungen direkt einsehen. Auch die Befragten scheinen die Einschätzung im Bezug auf den Praxisstandort und den Einsatz eines Profils in einem sozialen Netzwerk zu teilen, wenn sie fast einstimmig sagen: „…in Städten…wo der große Zu- und Wegfluss ist…kann man sicherlich über die sozialen Netzwerke [was] erreichen“ (Interview 1, Z. 82-85) Oder: „Vielleicht ist es eine Möglichkeit für die Zahnärzte aus der Großstadt aber für unsere Praxis eher nicht und von anderen Kollegen glaube ich auch nicht“ (Interview 2, Z. 72-74), und „…in großen Städten keine Frage…“, „in der Großstadt wäre das auch keine Frage das hätte ich auch gemacht“ (Interview 1, Z. 67, 68, 70-71).